🎙️ Wenn der Kopf nicht kreisen darf 💭
In Folge 19 von Alex & Fritz – Physiotherapie & Training von A bis Z ging’s heiß her. Alex hat sich in den Untiefen des Internets verlaufen – und dabei einen Podcast entdeckt, der ihn fassungslos zurückließ. Aussagen wie „Den Kopf sollte man nicht kreisen, weil das kein Kugelgelenk ist“ oder „Leg Extensions trainieren Muskeln, die man nur fürs Rückwärtslaufen braucht“ führten zur wohl leidenschaftlichsten Episode der letzten Wochen.
Während Alex sich durch diese „Perlen“ kämpfte, lieferte Fritz im Gegenzug ein tiefes Update aus der Fußball- und Athletiktrainingswelt – von Sarkopenie über Hamstring-Belastungen bis hin zu Reaktivkraft und Belastungssteuerung. Es wurde also nicht nur gelacht, sondern auch richtig gearbeitet.
Teil 1 – Wenn man den Kopf nicht kreisen darf
Alex’ Aufreger der Woche: ein Podcast, in dem physiotherapeutische Grundprinzipien auf den Kopf gestellt wurden. Aussagen wie:
„Man sollte den Kopf nicht kreisen, weil das kein Kugelgelenk ist.“
„Der Brustmuskel wird durchs Training zu kurz.“
„Leg Extensions braucht man nur fürs Rückwärtslaufen.“
Fritz reagierte trocken:
„Aber das ist doch Comedy.“
Und trotzdem – beide waren sich einig: solche Fehlinformationen schaden dem Berufsbild und führen dazu, dass Patient:innen völlig falsche Vorstellungen über Training und Therapie entwickeln. Alex brachte es auf den Punkt:
„Wir verlieren uns heute in Details der Wissenschaft – und dann kommen solche Retro-Aussagen wieder zurück.“
Teil 2 – Von Sarkopenie bis Hamstring Load
Der zweite Teil drehte sich um echte physiologische Themen: Sarkopenie – also Muskelabbau mit dem Alter – und wie man dagegen antrainiert.
Fritz erklärte:
„Wenn du nach dem 25. Lebensjahr nicht mehr aktiv bist, fängt der Körper an, Muskulatur abzubauen. Wenn du nichts tust, baut er ab. Punkt.“
Später ging’s tiefer in seine Welt als Athletiktrainer:
Hamstrings im Fußball: Belastung durch exzentrische Kraft beim Sprinten
Krafttraining als Basis: ohne gezieltes Loading verliert der Muskel seine Kapazität
Vergleich mit Leichtathletik: Sprinter und Springer entwickeln ihre Kraft im Gym – nicht nur auf der Bahn.
„Leichtathleten sind die, die im Kraftraum wirklich beeindruckend sind. Athletik entsteht dort, nicht nur durch Laufen.“
Teil 3 – Emotionen, Faszien & reale Erfahrung
Im letzten Teil griffen die beiden den Hörer*innen-Kommentar aus der letzten Folge auf: „Können Emotionen in Faszien gespeichert werden?“
Alex erzählte eindrücklich von Behandlungen, bei denen Patient:innen während sanfter manueller Arbeit plötzlich emotional reagierten:
„Ich habe das Gefühl gehabt, die Faszie bewegt sich – und kurz danach kam ein emotionaler Release. Weinen, Zittern, totale Entladung.“
Er ordnete das ein:
Es gibt keine wissenschaftliche Evidenz, dass Emotionen in Faszien gespeichert werden.
Aber: biopsychosoziale Mechanismen können körperliche Spannung, Stress und Emotion stark verknüpfen.
Therapie kann hier ein Ventil schaffen – manchmal auch ohne Worte.
Fritz ergänzte:
„Der menschliche Körper ist das faszinierendste System überhaupt. Aber die meisten Menschen wollen einfache Antworten – und genau das ist das Problem.“
Fazit
Zwischen Unterhaltung und Wissenschaft blieb am Ende eine klare Botschaft:
Training und Therapie sind komplex, und wer sie auf einfache Parolen reduziert, wird dem Körper nicht gerecht. Ob es um Muskeln, Emotionen oder Kugelgelenke geht – es lohnt sich, genau hinzusehen.
„Es gibt keine einfachen Erklärungsmodelle. Der Körper reagiert immer – aber selten so simpel, wie viele denken.“
– Alex