🎙️ Osteopathie ist das, was der Osteopath macht.

Montag, 7:13 Uhr, noch vor dem ersten Kaffee – und wir sind schon „on air“. Alex meldet sich aus Menden (Sauerland) von einer Fortbildung, Fritz aus Berlin. Nach einem kurzen Lagebericht starten wir direkt rein: Alex’ allererstes Handballtraining mit Mitte/Ende 30, die ewige Harz-Debatte, Eishockey-Eindrücke, „Grip Strength“ als Gesundheits- und Leistungsmarker, und zwei spannende Schulterfälle aus der Praxis – plus ein Herzensthema: eine neue Kooperation mit Spendenzweck.

Alex springt ins kalte Wasser: erste Einheit bei der 3. Dorfliga-Mannschaft – viel Spaß, noch mehr Muskelkater, und beim ersten Sprungwurf fast das Knie überstreckt. Learning: Handball ist technisch wie physisch anspruchsvoll, gerade wenn man später einsteigt.

Daraus entspinnt sich unsere Grundsatzdiskussion: Harz ja oder nein?

  • Pro: Ballkontrolle, Spielfluss, Technik im Hochleistungsbereich.

  • Contra: Hallenverschmutzung, Breitensport-Tauglichkeit, ungleiche Spielwelten zwischen Profi- und Amateurbereich.
    Wir denken laut über Regel-/Material-Anpassungen nach (z. B. kleinere, griffigere Bälle ohne Harz), damit Handball breiter spielbar bleibt – ohne den Reiz des Sports zu zerstören.

„Grip Strength“ – warum Griffkraft so ein großer Marker ist

Die Hörerfrage des Tages: Was sagt Griffkraft wirklich aus?
Unsere Position: sehr viel.

  • Neuro-Background: Hände haben eine enorme Repräsentanz im motorischen Kortex (Homunculus). Viel, differenziertes Hand-Input → hohe Aktivierung → bessere Koordination.

  • Alltag/Leistung: Wer viel trägt, schraubt, greift (Handwerk, Sport, Spielsportarten), baut langfristig robuste neuromuskuläre Muster auf – das spiegelt sich in der Griffkraft.

  • Transfer: In Athletik und Reha ist die Maximalkraft (verstanden als maximale Koordinationsfähigkeit) die „Decke“, die alles andere schützt. Mehr „Decke“ = größerer Puffer zwischen Alltags-/Sportlast und individueller Kapazität.

„…dass der Marker, wie gut jemand seine Hand in der maximalkräftigen Fähigkeit benutzen kann… mit Vitalität zusammenhängt, ist relativ eindeutig…“

Heißt aber nicht: nur Griffkraft trainieren. Fitness bleibt multidimensional (Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Koordination, Beweglichkeit). Und ja – diese grauen Plastik-Dynamometer sind okay zum Messen, solange man weiß, was der Wert (und auch seine Grenzen) bedeutet.

Longevity, Buzzwords & die Sache mit dem „Hybridathleten“

Wir lästern (liebevoll) über Begriffe, die alten Wein in neue Schläuche füllen. „Longevity“? Klingt cool – aber am Ende geht’s wieder um Bewegung, Schlaf, Ernährung, Belastungssteuerung. „Hybridathlet“? Klingt nach Cyborg – ist oft einfach ein sportlicher Mensch, der mehrere Systeme trainiert. Unser Take: weniger Label, mehr solide Routinen.

Zwei Schulterfälle – gleiche Stelle, ganz andere Ursachen

Alex bringt zwei reale Praxisfälle mit:

  1. Tennis-Hobbyspielerin (45): punktueller Schmerz lateral, isometrisch v. a. Außenrotation (angelegter Arm) schmerzhaft → Hinweis auf Infraspinatus. Ansatz: gezielte Behandlung + exzentrische Kapazität in IR-bewegten Schlagmustern aufbauen.

  2. Bauarbeiter („Uwe“) mit Spätschmerz: Tests unauffällig, Beschwerden kommen unter Dauerlast → Verdacht: Versorgungs-/Stoffwechselthema (viszerale Komponente; Leber/Darm/Schlaf/Ernährung). Training ja – aber vegetativ skaliert (hohe Wiederholungen, geringe Last, Wirbelsäulen-Integration), parallel Lifestyle-Anpassungen.

Kernbotschaft: Differenzieren! Strukturelles Muster ≠ viszerales Muster. Testt früh: Wann tritt Schmerz auf (sofort vs. spätes „Zulaufen“)? Und denkt an die Halte-Fähigkeit: Maximalkraft kann schon wieder top sein, während die 10-Sekunden-Isometrie noch 20 % hinterherhinkt – dann ist Return-to-Play zu früh.

Skalierung in Reha & Extremfälle

Von Landmine-Rotationen bis zu manualtherapeutischen Einstiegen – wir skalieren Kontrolle vor Load. Bei CFS z. B. startet man teils extrem niedrig (Hypoxie-Ansätze etc.), weil das Energiesystem sofort limitiert. Prinzip bleibt: Mechanozeption hemmt Nozizeption – aber immer individuell dosieren.

Kooperation mit PINO – und warum das Geld weiterfließt

Alex kündigt eine Kooperation mit PINO an – inklusive Lehrgangsräumen in Hamburg & Berlin ab 2027 und Talks auf der FIBO. Das Besondere: Die gesamte Vergütung geht direkt als Spende an das Kinderhospiz „Löwenherz“. Ein Projekt, das uns sehr am Herzen liegt.

„…das gesamte erwirtschaftete Geld … direkt als Spende von PINO an Löwenherz…“

Fazit

Vom Harz bis zur Handkraft, von Schultertests bis Stoffwechsel – die Folge zeigt, wie vielschichtig Training & Therapie sind. Unser Rezept: sauber testen, Ursachen trennen, Kapazitäten systematisch aufbauen, und neben der Struktur immer das System im Blick behalten – Gehirn, Organe, Schlaf, Alltag. Und dann machen – konsequent, aber entspannt.