🎙️ Montagmorgen 7:00 in Neu-Ulm!

Episode 28 – Hinteres Kreuzband, Bauchmuskeln & warum Therapie ohne Training nicht reicht

7 Uhr morgens. Montag. Alex sitzt in Neu-Ulm im Hotel, Fritz in Berlin – beste Voraussetzungen für eine hochkonzentrierte, komplett ungefilterte Podcast-Episode.
In Episode 28 sprechen wir über ein Thema, das in der Praxis erstaunlich oft untergeht: das hintere Kreuzband, konservative Therapieentscheidungen und warum man sich mit „klassischen Übungen“ manchmal selbst im Weg steht. Dazu gibt es zwei sehr greifbare Patientenbeispiele aus dem Alltag – inklusive ISG, Bauchmuskulatur, Narben und neuronaler Ansteuerung.

Wie immer: kein Skript, kein Dogma – sondern Praxis, Erfahrung und ehrliche Diskussion.

🦵 Hinteres Kreuzband: selten – aber nicht egal

Das hintere Kreuzband (HKB) führt im Vergleich zum vorderen Kreuzband ein ziemliches Schattendasein.
Während VKB-Rupturen medial, sportlich und therapeutisch allgegenwärtig sind, wird das HKB oft unterschätzt – teilweise sogar falsch diagnostiziert.

Alex: „Früher hieß es: Hinteres Kreuzband? Macht man nichts, merken die Leute nicht. Heute wissen wir: Ganz so einfach ist es nicht.“

Wir sprechen über:

  • typische Verletzungsmechanismen

  • die Problematik der klinischen Testung (vordere vs. hintere Schublade)

  • warum HKB-Rupturen oft konservativ behandelt werden

  • die Rolle von Quadrizeps vs. Hamstrings in der Stabilisierung

Ein besonders spannender Punkt:
Durch die Ausgangsposition der Tibia kann es passieren, dass eine hintere Kreuzbandruptur fälschlicherweise als vordere interpretiert wird – einfach, weil man den Unterschenkel „nach vorne zieht“.

🏀 Basketball, Athletik & Nikola Jokić

Zwischendurch geht’s – natürlich – kurz Richtung Basketball.
Nikola Jokić, Mo Wagner, Körperbau, Spielintelligenz und die Frage:

Muss ein Athlet eigentlich „athletisch aussehen“, um leistungsfähig zu sein?

Wir diskutieren, warum gerade im Basketball völlig andere Selektionsmechanismen gelten als z. B. im Fußball – und warum „ästhetische Athletik“ oft wenig mit echter Leistungsfähigkeit zu tun hat.

🧠 Patientenbeispiel 1: ISG-Schmerz, Bauchmuskulatur & viszerale Zusammenhänge

Ein Patient, selbst Physiotherapeut, kommt mit:

  • punktuellem ISG-Schmerz

  • klar reproduzierbarem Schmerz in bestimmten Winkeln

  • jahrelanger Vorgeschichte inkl. Leisten-OPs und Medikamenteneinnahme

Training, Mobilisation, klassische Therapie – alles schon gemacht.
Die Lösung lag nicht im nächsten Kraftprogramm.

Entscheidend waren:

  • viszerale Reaktionen im rechten Abdomen

  • eine fehlende Ansteuerung von Rectus und Obliquus

  • eine auffällige Leisten-Narbe

Nach Rezeptorarbeit, Beckenmustern und gezielter Ansteuerung war die Bauchmuskulatur plötzlich wieder „online“.

Alex: „Das funktioniert teilweise brutal gut – aber nur, wenn danach Training folgt.“

🏋️‍♂️ Warum Therapie ohne Training scheitert

Ein zentrales Thema der Folge:
Therapie kann Kompensationen löschen – aber sie ersetzt kein Training.

Fritz: „Wenn du danach die Region nicht in Bewegung integrierst, kommt die nächste Kompensation garantiert.“

Wir sprechen darüber:

  • warum isolierte Übungen (Crunches, Sit-ups) oft zu kurz greifen

  • weshalb Koordination > Maximalkraft ist

  • warum das Kleinhirn Abwechslung braucht

  • wie Rotation, Ausfallschritte und komplexe Muster Bauchmuskulatur sinnvoll integrieren

Ein wichtiger Punkt:
Manchmal darf Training auch einfach sein – aber es darf dort nicht stehen bleiben.

🧠 Patientenbeispiel 2: Medialer Knieschmerz ohne Befund

Zum Abschluss noch ein klassisches Praxis-Rätsel:

  • Knieschmerz medial

  • alle Strukturen klinisch unauffällig

  • gelegentliches Wegknicken („Giving Way“)

Ein schönes Beispiel dafür, dass Schmerz ≠ Strukturdefekt ist – und dass funktionelle Instabilität oft ganz woanders entsteht als dort, wo es weh tut.

Fazit

Episode 28 ist eine dieser Folgen, die zeigt, warum gute Therapie nie eindimensional sein darf.
Struktur, Nervensystem, Bewegung, Training – alles hängt zusammen.

Oder wie wir es zusammenfassen würden:
👉 Therapie schafft die Voraussetzung. Training macht sie dauerhaft.