🎙️ Menden ist wie Bangkok! 😂
In Episode 23 haben wir uns einmal quer durch die wichtigsten Themen der modernen Trainings- und Therapiewelt gesprochen – von Anti-Rotation vs. Rotationstraining, Jefferson Curls und Hands-on-Therapie bis hin zu echten Alltagsproblemen von Patienten, Witterungseinflüssen auf Schmerzen und der Frage, wie viel Psychologie eigentlich in unserem Beruf steckt.
Dazu: eine große Portion Ost-Sport-Romantik, ehrliche Einblicke in Motivation, Sportpausen und Routinen – und natürlich der übliche Schlagabtausch zwischen uns beiden.
Der Einstieg: Menden ist wie Bangkok
Alex kommt aus einem Fortbildungswochenende in Menden zurück – mit einem Gefühl, das viele Therapeuten kennen:
„Es war großartig – aber du merkst schon, wie die Dementoren anfangen, die Seele aus deinem Körper zu ziehen.“ alex-fritz (11)
Währenddessen berichtet Fritz von Dresden, dem Spielerfuß, englischen Wochen und der Realität im Profisport: wenig Pause, viel Belastung und ständig dieselben Probleme.
Rotation vs. Anti-Rotation – overrated oder underrated?
Eines der zentralen Themen: Pallof Press, Anti-Rotationstraining und die große Frage: braucht man das überhaupt?
Fritz sagt ganz klar:
„Overrated.“ alex-fritz (11)
Die Begründung ist simpel:
Isometrie ist gut, um Muskulatur in Gang zu bringen – aber echte Leistungsfähigkeit entsteht in Rotationsbewegungen selbst.
Athleten müssen in der Realität Kräfte absorbieren, rotieren, kontern, umlenken. Das findet in dynamischen Mustern statt – nicht in drei entspannten Minuten Pallof Press.
Aber: In Reha- und Reintegration ist Anti-Rotation absolut nützlich. Nur wird es im Training häufig zu niedrigschwellig eingesetzt, um wirklich etwas zu verändern.
Jefferson Curl, Rundrücken & das ewige Internet
Kaum ein Bewegungsthema ist seit Monaten so heiß diskutiert: Darf man mit rundem Rücken heben?
Natürlich darf man – und natürlich kann der Jefferson Curl sinnvoll sein.
Aber wie Alex sagt:
„Der Jefferson Curl wird gerade wieder gehypt, weil alle sich über rundes Heben streiten.“ alex-fritz (11)
Wir erklären im Podcast sehr klar:
Trainingsmethoden werden oft wie Dogmen behandelt, statt kontextabhängig betrachtet. Sandbags, Steinheben, Strongman – überall wird mit Rundrücken gearbeitet. Und zwar erfolgreich.
Hands-on, Neuromodulation & der Irrsinn der Therapieszene
Einer der intensivsten Teile der Episode: die Diskussion darüber, was Hands-on-Techniken wirklich leisten – und warum viele Kolleg*innen den Begriff Neuromodulation inflationär benutzen.
Alex bringt es auf den Punkt:
„Mich nervt, dass keiner weiß, was Neuromodulation eigentlich bedeutet.“ alex-fritz (11)
„Wir heilen nicht – wir bringen Systeme wieder in Balance.“ alex-fritz (11)
Wir sprechen darüber:
Warum triggern, drücken und behandeln durchaus nachhaltig wirken können
Warum Education wichtig ist, aber kein Ersatz für Therapie
Warum Therapie nicht zur „reinen Aufklärung“ verkommen darf
Warum Patienten selbst für langfristige Veränderung verantwortlich sind
Wieso viele physiotherapeutische Dogmen nur entstehen, weil manche etwas „schlau“ klingen lassen wollen
Und Fritz ergänzt:
„Wir sind Dienstleister. Der langfristige Erfolg hängt zu 99 % davon ab, was der Patient mit dem Input macht.“ alex-fritz (11)
Psychologie, Alltagsbewegung & warum Menschen nicht tun, was sie sollten
Wir reden offen darüber, warum viele Menschen Schmerzen haben – und warum das oft weniger biomedizinisch als lebenspraktisch ist.
Fritz:
„Wenn Leute einfach dreimal die Woche joggen würden oder nicht mit 17 aufgehört hätten Sport zu machen, bräuchten wir viele Physios nicht.“ alex-fritz (11)
Ein hartes, aber ehrliches Statement.
Wir sprechen über:
Motivation
Routinen
Warum Training vielen keinen Spaß macht
Wie man sich überarbeitet
Warum Essen ein Suchtfaktor sein kann
Und warum wir beide auch unsere Struggles haben
Alex sagt offen:
„Es macht wirklich was mit einem, wenn man merkt, wie das Training fehlt. Und es ist nicht so einfach, wie manche denken.“ alex-fritz (11)
Diese Ehrlichkeit war eines der emotional stärksten Elemente der Episode.
Fachteil: Rückenschmerz vs. viszeraler Schmerz
Wir erklären ausführlich:
Was macht Rückenschmerz strukturell?
Was ist viszeral?
Wie unterscheidet man das pragmatisch?
Alex erklärt verständlich:
Innervation (sympathisch & parasympathisch)
Vagus, Sakralplexus
Warum Organe Schmerz projizieren
Warum Belastungsschmerz oft viszeral ist
Und wie der Körper Blutversorgung priorisiert
Diese Passage gehört zu den lehrreichsten Teilen der Folge.
Kälte, Wetterwechsel & Schmerz
Warum spüren Menschen altes Metall, Narben oder Arthrose, wenn das Wetter kippt?
Fritz berichtet von seiner eigenen Handverletzung:
„Ich weiß genau, wenn Wetterwechsel kommt – dann tut mein Finger weh.“ alex-fritz (11)
Alex erklärt die Rezeptorphysiologie und warum Kälte Schmerzen überlagert, aber nicht immer sinnvoll ist.
Fazit
Episode 23 ist ein wilder, ehrlicher, tiefgehender Mix aus Physiologie, Sport, Osteuropa-Romantik, Therapiephilosophie, Motivation und echtem Leben.
Es ist eine Folge, die zeigt, dass Training & Therapie nicht in klare Boxen passen – und dass Menschen echte Probleme haben, die über Technik und Muskelgruppen hinausgehen.
Und: Wir haben so viel Stoff gesammelt, dass wir uns entschieden haben, diese Woche eine zweite Episode aufzunehmen.